Donnerstag, 1. März 2018

Buddhistische Hochzeitszeremonie am Long Beach auf Koh Lanta

Mein Sohn hatte im August 2017 in der Türkei geheiratet. Darüber habe ich - natürlich - ausführlich berichtet.

Leider konnten nur wenige unserer thailändischen Freunde und Bekannte an dem Fest teilnehmen, deshalb habe ich mich sehr gefreut, als mein Sohn und meine Schwiegertochter meinem Vorschlag, während ihres Urlaubs auf Koh Lanta eine buddhistische Hochzeitszeremonie abzuhalten, zustimmten.


Gestern war es soweit: Am Pra Ae (Long Beach) fand die Zeremonie statt. Das Datum wurde nicht - wie eigentlich üblich - von Astrologen bestimmt, sondern von der Zweckmäßigkeit: Die beiden sollten nach ihrer Ankunft am vorigen Wochenende nicht mehr allzu sehr unter dem Jet Lag leiden, heute ist Makha-Bucha-Tag und deshalb darf kein Alkohol verkauft oder konsumiert werden, und nach den Feierlichkeiten sollten Özge und mein Sohn auch noch ein paar Tage zum Relaxen haben. Und ganz wichtig: Die Zeremonie sollte kurz vor Sonnenuntergang stattfinden - wegen der zu erwartenden schönen Fotos.

Ich hatte alle Leute auf der Insel eingeladen, mit denen wir Kontakt haben: Bekannte aus Deutschland, England, Japan und Schweden, natürlich unsere thailändischen Freunde, aber auch die Besitzer nebst Belegschaft unserer Stammrestaurants, der Massageläden und Reisebüros, die wir regelmäßig aufsuchen. Alle sollten bei dem freudigen Ereignis dabei sein!

Die Einladungen verteilte ich auch
auf Englisch und Thai.
Natürlich plagten mich im Vorfeld ein paar Zweifel: Viele unserer thailändischen Freunde sind Moslems (wie ca. 95% der Bevölkerung auf Koh Lanta). Würden sie an einer buddhistischen Zeremonie teilnehmen? Thais tendieren außerdem nicht dazu, eine Rückmeldung auf eine Einladung zu geben, insgesamt war es also ungeheuer schwierig, die Anzahl der Gäste im Vorfeld zu klären. 20 Personen würden sicherlich teilnehmen, aber es könnten genauso gut 80 werden ...

Ich entschied mich, bei meiner weiteren Vorbereitung von 40 Personen auszugehen, also bestellte ich Essen und Hochzeitskuchen für 40. Mit der Organisation der Feier hatte ich einen der vielen Hochzeitsplaner, die es hierzulande gibt, beauftragt, ein weiterer Unsicherheitsfaktor, denn die Bezahlung war im Voraus fällig. Was, wenn es sich um keinen seriösen Partner handelte?

Dann kam der große Tag, und gleich am Morgen: der Schock. Der Hochzeitsplaner hatte mir eine E-Mail geschickt, in der er mich darüber informierte, dass die Zeremonie bereits um 17 Uhr stattfinden müsse (statt um 18 Uhr, denn wir wollten ja den Sonnenuntergang!), denn die Mönche müssten um 18 Uhr zurück im Kloster sein. Ich trug es mit Fassung, denn mit Mönchen argumentiert man nicht. Ich gab die Information an Michael, den Manager vom Pearl Beach Resort weiter, wo der Empfang stattfinden würde, damit er das Essen umdisponieren konnte. Und ansonsten bedeutete diese Planänderung, dass an der eigentlichen Zeremonie weniger Leute als gedacht teilnehmen würden, denn Thais kommen immer irgendwie zu spät, weshalb ich ja auch ursprünglich für 17 Uhr eingeladen hatte. Aber: T.I.T. - This is Thailand. Dschai jenn jenn (ใจเย็น ๆ = kühles Herz, sprich: immer ruhig bleiben).

Um 14 Uhr begannen die Vorbereitungen: Schminken, Frisieren, Ankleiden.



Um 17 Uhr begrüßte das Brautpaar gemeinsam mit Chang und mir die Gäste, dann machten wir uns auf den kurzen Weg zum Strand. Diese Prozession, Khan Maak, gehört mit zu den thailändischen Hochzeitsritualen und wird normalerweise vom Haus des Bräutigams zum Haus der Braut durchgeführt.




Am Strand war bereits alles vorbereitet.



Nachdem die Gäste Platz genommen hatten, kam das Brautpaar und setzte sich den Mönchen gegenüber. Die Zeremonie konnte beginnen!


Nachdem das Brautpaar den Mönchen seinen Respekt bekundet hatte, indem die beiden diese mit dreifachem Wai begrüßten, überreichten sie den Mönchen zunächst Geschenke (jeder Mönch bekam ein Päckchen.)



Anschließend hängten sie sich gegenseitig Blumengirlanden um, was nach buddhistischer Tradition als Schutzsymbol gilt, und danach tupfte der älteste Mönch dem Bräutigam und der Braut mit einer Kerze jeweils drei Punkte auf die Stirn, ein rituelles Glückssymbol für die eheliche Gemeinschaft.





Danach setzten sich die Brautleute zwei weiße Haarkränze auf, die durch eine Schnur miteinander verbunden sind. Dieser Bestandteil der Zeremonie nennt sich Sai Monkhon, sie symbolisiert die schicksalhafte Verbundenheit des Paares unter gleichzeitiger Wahrung der eigenen Individualität. Während sie sich die Kränze aufsetzten, gaben die beiden sich auch das Eheversprechen: "I want to marry you." (Ich will dich heiraten.)



Es folgte ein Gebet der Mönche, sie chanteten für das Brautpaar und die anwesenden Gäste sowie für alle Menschen und sonstigen Wesen auf der Erde, damit diesen Glück beschieden sei und sie vor allem Leid verschont bleiben.

Das Rodt Naam Sang, die Wasserzeremonie, die der rituellen Reinigung dient, wird normalerweise von allen Hochzeitsgästen zelebriert, indem sie Wasser aus einer Muschel über die Hände der beiden Frischvermählten gießen, das in einer mit Blumen gefüllten Schale aufgefangen wird. Bei uns waren es lediglich die beiden Brautleute, die dieses Ritual in leicht abgewandelter Form gemeinsam durchführten. (Der Hochzeitsplaner hätte 5000 Baht extra berechnet, wenn wir diese Zeremonie dazugebucht hätten, das erschien mir doch zu abgehoben.)



Jetzt hatten Chang und ich noch einen kurzen Auftritt. Wir hatten zwar keine Rede vorbereitet, aber ein paar Zeilen sprachen wir dennoch: Wir stellten uns hinter das Brautpaar, legten ihnen die Hände auf die Schultern und sprachen gemeinsam den Satz: "You got our blessings already, now you got the blessings from above. May your future be bright and happy and always full of love." (Unseren Segen habt ihr bereits bekommen, nun habt ihr auch den Segen von oben. Möge eure Zukunft hell und glücklich und immer voller Liebe sein.)

Zum Schluss segnete der älteste Mönch das Brautpaar mit heiligem Wasser und schritt anschließend die Reihen der Hochzeitsgäste ab, um auch diese mit heiligem Wasser zu besprengen.



Alle Hochzeitsgäste bekamen weiße Bänder ums Handgelenk gebunden (Männer rechts, Frauen links), um noch lange von diesem segensreichen Tag zu zehren und damit war der offizielle Teil der buddhistischen Hochzeitszeremonie beendet. Aber bevor die Mönche zurück ins Kloster gefahren wurden, willigten sie noch in ein Fotoshooting mit Brautpaar und Gästen ein.

Alle anwesenden Gäste wurden in den unterschiedlichsten
Konstellationen so fotografiert.
Erst nachdem die Mönche gegangen waren, war es Zeit für einen Hochzeitskuss.


Nun stellten sich die Gäste zum Spalier auf und das Hochzeitspaar schritt durch die Reihen und wurde mit Blütenblättern beworfen.


Zeit für Glückwünsche und Geschenke und ein "offizielles" Gruppenfoto.



Anschließend gab es noch eine Fotosession mit dem Brautpaar am Strand. Hier ein paar Eindrücke und ja, es gab Sonnenuntergangsfotos - und sogar Fotos mit dem Vollmond (nun, fast, eigentlich ist Vollmond ja erst heute, am Makha-Bucha-Tag).





Im Lanta Pearl Beach Resort warteten dann Getränke und Snacks auf die Gäste.


Und am Ende des Abends durfte natürlich die Hochzeitstorte nicht fehlen.



Ich hatte außerdem kleine Geschenke für die Gäste vorbereitet. Alle bekamen zum Abschied eine Tüte mit Süßigkeiten mit auf den Heimweg.


Oh, es war so schön und ich hoffe, dass auch die Leser ein bisschen von der feierlichen und gleichzeitig frohen Stimmung der Zeremonie und anschließenden Feier mitbekommen haben.

Eine buddhistische Hochzeit ist keine religiöse Handlung, vielmehr schafft sich das Brautpaar mit der Zeremonie den Rahmen für eine gemeinsame Entwicklung. Buddha sagte, dass die Ehe auf tiefem gegenseitigen Respekt basieren solle und dass die Eheleute eine gleichwertige Partnerschaft leben sollen. In der Ehe soll eine ausgewogene und harmonische Mischung aus Stärken und Schwächen von Mann und Frau herrschen.

Laut dem Dalai Lama ist Glück der Sinn des Lebens, ein schönes Motto, das wir den Brautleuten mit auf ihren gemeinsamen Lebensweg geben möchten.


PS: Insgesamt waren 31 Leute auf der Feier, vier davon nur kurz. Und ja, auch einige unserer muslimischen Bekannten waren gekommen.

PPS: Wir haben die Zeremonie bei Thailand Wedding mit Sitz in Phuket gebucht. Es gab zwar (aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und unzureichender Erklärungen im Vorfeld) ein paar Reibungspunkte, aber es klappte letztlich alles.


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